Zwei Ausbildungen.
Heute atme ich sanft.Was Breathwork im Körper auslöst, wo die Grenze liegt, und warum das keine Vorsicht ist, sondern Erfahrung.

Schnelles Atmen bringt dich zuverlässig in veränderte Zustände. Darum wird es überall angeboten. Wenn du weisst, was dabei im Körper passiert, ist es eine starke Erfahrung. Wenn nicht, ein Schrecken.

Von Andy DittrichStand 17. September 20268 Minuten

Auf einen Blick
4bis30
Teilnehmendeliegend, mit Musik
2h
Sessiondavon 60 bis 75 Minuten Atmen. Holotrop 2 bis 3 Stunden.
CHF40bis120
pro SessionWochenende ab CHF 360

Reinigungsritual. CHF 40 bis 120 pro Session. Verkrampfte Hände sind normal, Schwindel auch.

Teilnehmende4 bis 30
Dauer2 Stunden, 60 bis 75 Minuten Atmen
AusrichtungReinigungsritual
KostenCHF 40 bis 120 pro Session

Kurz gesagt.

Definition

Breathwork ist Atemarbeit, die bewusst einen veränderten Zustand herbeiführt. Die bekanntesten Formen: Holotropes Atmen, Conscious Connected Breathing, die Wim-Hof-Methode.

Gemeinsam ist ihnen schnelles, tiefes Atmen über längere Zeit. Der Körper reagiert darauf messbar. Und genau diese Reaktion erlebst du als Erfahrung.

Zwei Kurven, eine Grenze.

Die intensive Form bringt dich in Minuten in einen Zustand, den du nicht kennst. Die sanfte Form bleibt unter der Grenze. Beide sind Breathwork. Die Frage ist nicht, wie tief du kommst. Die Frage ist, wer dich zurückbringt.

  • Holotrop, Connected Breathing: grosser Ausschlag, 60 bis 75 Minuten
  • Verkrampfte Hände sind normal: Kohlendioxid fällt, das Blut wird basisch
  • Die sanfte Form: kleiner Ausschlag, so atme ich heute
  • Zurückbringen: das Handwerk, nicht der Zustand
Holotrop, Connected Breathing60 bis 75 Minuten, schnell und tief. Der Zustand ist nach Minuten da.Die sanfte Formso atme ich heute. Kleiner Ausschlag, keine verkrampften Hände.Zurückbringendas Handwerk, nicht der ZustandVerkrampfte Hände sind normalKohlendioxid fällt, das Blut wird basisch

Was das genau ist.

Ich hab zwei Breathwork-Ausbildungen gemacht. Heute atme ich mit den Menschen fast nur noch sanft. Warum, erzähl ich dir gleich. Zuerst, was das ist.

Breathwork ist Atemarbeit, bei der du durch verändertes Atmen in einen anderen Bewusstseinszustand kommst. Die verbreitetsten Formen: Holotropes Atmen, das in den Siebzigern entwickelt wurde als Zugang ohne Substanz. Conscious Connected Breathing, ohne Pause zwischen Ein- und Ausatmen. Und die Wim-Hof-Methode mit Zyklen aus schnellem Atmen und Luftanhalten.

Allen gemeinsam ist, was im Blut passiert: Schnelles Atmen senkt das Kohlendioxid. Der pH-Wert steigt, die Gefässe im Gehirn verengen sich, das freie Kalzium sinkt. Die Folgen: Kribbeln, Schwindel, Wärme, und in stärkerer Form verkrampfen die Hände und Füsse, so dass du dich nicht mehr bewegen kannst. Das ist harmlos und geht von selbst zurück, sobald du ruhiger atmest. Wer es nicht weiss, erschrickt zu Tode. Und genau das ist der Punkt.

Ein Zustand ist schnell da. Zurückbringen ist das Handwerk.

Wie es abläuft.

Vier Formen, die dir begegnen werden. Die ersten drei erzeugen einen Rausch. Die vierte nicht, und die ist die, die ich heute mache.

01

Holotropes Atmen

Stanislav und Christina Grof, Siebzigerjahre, entwickelt als Zugang ohne Substanz, nachdem LSD verboten wurde. Zwei bis drei Stunden schnelles Atmen zu lauter Musik, paarweise, mit einer Begleitperson, die sitzt.

02

Conscious Connected Breathing

Auch Rebirthing genannt. Durchgehend atmen, ohne Pause zwischen Ein- und Ausatmen, meistens liegend, oft über eine Stunde.

03

Die Wim-Hof-Methode

Zyklen aus dreissig bis vierzig schnellen Atemzügen und dann Luft anhalten. Oft mit Kälte kombiniert.

04

Die sanfte Form

Langsam und ruhig, etwa sechs Atemzüge pro Minute. Kein Rausch. Beruhigt das vegetative Nervensystem messbar. Das ist die Form, die ich heute verwende, eingebaut in einen einzigen Move.

Ein Zustand ist schnell da. Zurückbringen ist das Handwerk.

Worüber du dir im Klaren sein musst.

Was du erlebst, hat eine Ursache im Blut.
Schnelles Atmen senkt das CO2. Der pH steigt, die Hirngefässe verengen sich, das Kalzium sinkt. Daraus entstehen Kribbeln, Schwindel und die verkrampften Hände. Das nimmt der Erfahrung nichts. Es nimmt ihr den Schrecken.
Verkrampfte Hände sind normal und harmlos.
Das nennt sich Tetanie, sieht dramatisch aus und geht von selbst zurück, sobald du ruhiger atmest. Wer das vorher gesagt bekommt, bleibt ruhig. Wer es nicht weiss, kriegt Panik. Und Panik ist das eigentliche Problem im Raum.
Zustände sind leicht zu erzeugen. Zurückbringen ist das Handwerk.
Das ist ehrlich gesagt meine grösste Kritik an vielen Lehrern: Die Menschen gehen dort in ekstatische und alle möglichen Zustände, und die Leitung ist dem nicht gewachsen. Ein Zustand ist in zehn Minuten da. Was danach kommt, entscheidet über alles.
Die sanfte Form ist die, für die es Belege gibt.
Zwei Ausbildungen, und heute nutze ich es fast nur noch sehr sanft. Weil die Menschen darauf vertrauen, dass sie sicher in die Session und sicher wieder raus kommen. Für langsames Atmen gibt es gute Daten. Für Heilungsversprechen bei Trauma gibt es sie nicht.

Fragen vor deiner ersten Breathwork-Session.

Drei an die Person, die leitet, eine an dich. Ein Satz ist eine Antwort, zehn Minuten sind keine.

Frag nachVor deiner ersten Breathwork-Session
  • «Was passiert, wenn meine Hände verkrampfen?»
  • «Wie bringt ihr Menschen zurück?»
  • «Wie viele sitzen für wie viele Liegende da?»
Und eine an dichWie will ich mich fühlen, wenn ich rauskomme?

Ein Satz ist eine Antwort. Zehn Minuten sind keine.

«Was passiert, wenn meine Hände verkrampfen?»
Wer das erklären kann, hat es schon erlebt. Wer «das ist Energie, die sich löst» sagt, hat Biologie mit Erzählung verwechselt.
«Wie bringt ihr Menschen zurück?»
Die Antwort ist Handwerk, nicht Haltung. Ein Ablauf, nicht «wir halten den Raum».
«Wie viele sitzen für wie viele Liegende da?»
Eine Zahl. Bei zwanzig Atmenden und einer Leitung ist niemand für dich da.
«Wie will ich mich fühlen, wenn ich rauskomme?»
Die an dich. Ein Wort, fünf Sekunden, Finger auf die Stelle.

Die fünf Fragen, die für jede Leitung gelten, stehen auf einer eigenen Seite: Schau genau hin. Frag nach.

Für wen Breathwork nicht geeignet ist

Nicht bei Epilepsie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Aneurysma, Netzhautablösung, Glaukom, Osteoporose, in der Schwangerschaft, und nicht bei Psychose, Bipolarer Störung oder akuten psychischen Krisen. Niemals im oder am Wasser: Wer vor dem Tauchen hyperventiliert, wird unter Wasser bewusstlos, daran sind Menschen gestorben. Bei den starken Formen kommt das Risiko dazu, dass altes Zeug hochkommt und niemand mit Erfahrung daneben sitzt. Im Zweifel redest du vorher mit deiner Ärztin, nicht mit der Kursleitung.

Und danach?

Nach einer starken Sitzung braucht dein Körper Ruhe, Wasser, etwas zu essen. Fahr nicht sofort Auto. Was hochgekommen ist, arbeitet mehrere Tage weiter, und das kann sich unruhig anfühlen, ohne dass etwas falsch läuft.

Wenn es dich überfordert, sprich mit jemandem, der zuhört, ohne zu deuten.

Ruhig bleiben ist die eigentliche Qualifikation.

Häufige Fragen.

Was ist Breathwork?
Atemarbeit, die bewusst einen veränderten Zustand herbeiführt. Holotropes Atmen, Conscious Connected Breathing, Wim Hof. Gemeinsam: schnelles, tiefes Atmen über längere Zeit, und ein Körper, der messbar darauf reagiert.
Warum verkrampfen beim Breathwork die Hände?
Weil schnelles Atmen das CO2 senkt. Der pH steigt, das freie Kalzium sinkt, die Muskeln in Händen und Füssen ziehen sich zusammen. Das heisst Tetanie, ist harmlos und geht zurück, sobald du ruhiger atmest.
Ist Breathwork gefährlich?
Für gesunde Menschen mit einer Leitung, die das Handwerk kann, nicht. Nicht geeignet bei Epilepsie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Glaukom, in der Schwangerschaft, bei Psychose oder akuter Krise. Nie im oder am Wasser.
Was ist der Unterschied zwischen Holotropem Atmen und Wim Hof?
Holotrop: zwei bis drei Stunden durchgehend schnell atmen zu Musik, mit Begleitperson, Ziel ist ein tiefer Zustand. Wim Hof: kurze Zyklen aus schnellem Atmen und Luftanhalten, oft mit Kälte, Ziel ist Kontrolle über den Körper. Beides senkt das CO2.
Ist Breathwork schamanisch?
Nein. Es ist westlich, Siebzigerjahre, mit Wurzeln im Pranayama. Dass die Trommel im Hintergrund läuft, ändert daran nichts. Was es mit Ritualen teilt: Ein Zustand ist schnell da, und zurückbringen ist das Handwerk.
Warum machst du heute die sanfte Form?
Weil es für langsames Atmen gute Daten gibt und für Heilungsversprechen bei Trauma keine. Und weil die Menschen bei mir darauf vertrauen, sicher rein und sicher wieder raus zu kommen. Sechs Atemzüge pro Minute, eingebaut in einen einzigen Move.
Was frage ich vor einer Breathwork-Session?
Was passiert, wenn meine Hände verkrampfen? Wie bringt ihr Menschen zurück? Wie viele sitzen für wie viele Liegende da? Und an dich: Wie will ich mich fühlen, wenn ich rauskomme?

Wer das schreibt.

Andy Dittrich
Andy Dittrich

Rund hundert Workshops bei verschiedenen Lehrern besucht, zwei Breathwork-Ausbildungen, viele Jahre als Schüler bei indigenen Schamanen in Nordamerika und in der Mongolei und bei einem Lehrer in der marokkanischen Wüste. Rund zweitausend Menschen hat er durch Rituale begleitet, sicher hinein und sicher wieder heraus.

Hier steht nur, was er von innen kennt.

Meine Absicht mit diesen Seiten: Ich geb dir Wissen, damit du den Unterschied selber findest. Zwischen schamanischem Bullshit und einem besonderen Erlebnis.

Bevor du hingehst

Ruhig bleibenist die eigentliche Qualifikation.

Du kannst einer Workshopleitung ansehen, ob sie eine gewisse Gelassenheit hat. Achte darauf, denn du willst in diesem Ritual sicher sein. Wer in dem Moment, in dem etwas Unerwartetes geschieht, selbst in Panik gerät, kann nicht mehr denken, und dann bist du allein.

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