Loslassen ohne Richtung
ist ein Zettel.Was ein schamanisches Feuerritual ausmacht, und was dabei wirklich geschieht.

Aufschreiben, was weg soll, und den Zettel ins Feuer werfen. So läuft es fast überall. Das Aufschreiben ist der leichte Teil.

Von Andy DittrichStand 17. September 20266 Minuten

Auf einen Blick
5bis30
Teilnehmendeim Kreis ums Feuer
1bis2h
am Feuerein Abend
0
Ursprungslandin allen Traditionen

Reinigungsritual. Meist Teil eines Abends. Feuerverbot beachten.

Teilnehmende5 bis 30
Dauer1 bis 2 Stunden am Feuer
AusrichtungReinigungsritual
OrtFeuerstelle im Freien

Kurz gesagt.

Definition

Ein Feuerritual ist ein Loslass- oder Transformationsritual an einem offenen Feuer. Meistens schreibst du auf einen Zettel, was du loslassen willst, und wirfst ihn einzeln ins Feuer.

Was ein Feuer zum Ritual macht, ist nicht die Flamme. Es ist die Intention, die beim Aufschichten reingegeben wird. Mit jedem Scheit.

Das Feuer von oben.

Ein Kreis ums Feuer, eine Person, die das Feuer hält, und ein Zettel pro Mensch. Auf dem Zettel steht nicht, was weg soll. Da steht, wohin. Das ist der Unterschied zwischen einem Feuerritual und einem Lagerfeuer mit Papier.

  • Der Kreis: 5 bis 30 ums Feuer
  • Wer am Feuer steht: die ganze Zeit, mit einer Intention
  • Der Zettel mit Richtung: geschrieben, gefaltet, geworfen
  • Das Nachbrennen: niemand geht, bevor das Feuer runter ist
Wer am Feuer stehtdie ganze Zeit, mit einer IntentionDer Kreis5 bis 30, ums FeuerDer Zettel mit Richtunggeschrieben, gefaltet, geworfen.Nicht «loslassen», sondern wohin.Das Nachbrennen: niemand geht, bevor das Feuer runter ist

Was ein Feuerritual ist.

Feuer ist nicht einfach Feuer. Wer es schamanisch aufschichtet, gibt ihm eine Intention mit, mit jedem Scheit, und die bestimmt, wofür das Feuer an diesem Abend brennt. Ein Transformationsfeuer, ein Visionsfeuer, ein Dankfeuer. Das ist Handwerk, kein Zauber. Und es unterscheidet ein Ritual von einem hübschen Abend im Garten.

Der Ablauf, den du überall findest: Die Gruppe steht um das Feuer, jede schreibt auf einen Zettel, was gehen darf, und wirft ihn einzeln rein. Der entscheidende Moment ist nicht das Werfen. Es ist der Moment davor, wenn du den Zettel noch in der Hand hast und dich fragst: Bin ich wirklich bereit, das gehen zu lassen?

Ich hab mal einen Abend erlebt, an dem ein Zettel im Feuer lag und einfach nicht brennen wollte. Alle anderen waren in Sekunden weg. Der lag da. Die Frage, die dann zählt, ist leise und geht nur die Person an, die davorsteht: Ist es okay für dich, das jetzt gehen zu lassen? Sie hat ja gesagt. Dann hat er gebrannt.

Und genauso wichtig ist, was danach kommt. Wo etwas verschwindet, entsteht Platz. Wenn du nicht weisst, wohin deine Richtung geht, füllt sich der Platz von selbst. Meistens mit dem, was vorher da war.

Loslassen ohne Richtung ist ein Zettel.

Wie es abläuft.

Die Formen sind unterschiedlich, der Ablauf ist fast überall gleich. Wenn du weisst, was kommt, kannst du dich um das Wesentliche kümmern.

01

Der Aufbau

Das Feuer wird geschichtet, von Hand, in Ruhe. Wer schamanisch arbeitet, legt dabei die Intention rein. Du siehst das, wenn du hinschaust: Ob einer Holz stapelt oder ein Feuer baut.

02

Der Kreis

Die Gruppe steht ums Feuer. Manche kennen sich, viele nicht. Es wird geredet, bis es still wird. Das dauert.

03

Das Aufschreiben

Jede schreibt auf einen Zettel, was gehen darf. Niemand liest mit. Auch die Leitung nicht.

04

Das Werfen

Einzeln, nacheinander, mit Zeit. Der Moment davor, wenn jemand den Zettel noch mal hält, ist das Ritual. Nicht das Werfen.

05

Das Nachbrennen

Das Feuer brennt weiter, und die Gruppe bleibt. Meistens wird es dabei still, ohne dass jemand drum bittet.

Loslassen ohne Richtung ist ein Zettel.

Worüber du dir im Klaren sein musst.

Das Feuer hat eine Richtung, oder es ist ein Lagerfeuer.
Wer es aufschichtet, gibt die Intention rein. Das ist Handwerk, kein Zauber. Und es ist der Unterschied zwischen einem Ritual und einem hübschen Abend im Garten.
Der Moment vor dem Werfen entscheidet.
Es kommt vor, dass ein Zettel nicht brennt. Die Frage, die dann zählt: Ist es okay für dich, das jetzt gehen zu lassen? Erst das Ja löst es. Ohne das Ja hast du Papier verbrannt.
Loslassen ohne Wohin ist unfertig.
Wo etwas weggeht, entsteht Platz. Wenn du nicht weisst, wie du dich stattdessen fühlen willst, füllt sich der Platz von selbst. Darum gehört das Wunschgefühl vor das Feuer, nicht danach.
Was auf dem Zettel steht, geht niemanden was an.
Eine gute Leitung fragt nicht und liest nicht mit. Wer verlangt, dass du vorliest, macht aus deinem Ritual eine Vorstellung.

Fragen vor deinem ersten Feuerritual.

Drei an die Person, die leitet, eine an dich. Ein Satz ist eine Antwort, zehn Minuten sind keine.

Frag nachVor deinem ersten Feuerritual
  • «Mit welcher Intention wird das Feuer gebaut?»
  • «Muss ich vorlesen, was ich geschrieben habe?»
  • «Wer steht am Feuer, während wir werfen?»
Und eine an dichWie will ich mich fühlen, wenn ich rauskomme?

Ein Satz ist eine Antwort. Zehn Minuten sind keine.

«Mit welcher Intention wird das Feuer gebaut?»
Wer schamanisch arbeitet, hat darauf eine Antwort. Ein Wort reicht. Wer «einfach ein schönes Feuer» sagt, macht ein Lagerfeuer, und das ist okay, aber dann heisst es nicht Ritual.
«Muss ich vorlesen, was ich geschrieben habe?»
Die richtige Antwort ist nein.
«Wer steht am Feuer, während wir werfen?»
Jemand muss das Feuer halten. Wenn niemand dafür da ist, ist niemand für dich da.
«Wie will ich mich fühlen, wenn ich rauskomme?»
Die an dich. Das Wunschgefühl gehört vor das Feuer, nicht danach. Sonst füllt sich der Platz von selbst.

Die fünf Fragen, die für jede Leitung gelten, stehen auf einer eigenen Seite: Schau genau hin. Frag nach.

Und danach?

Ein Feuerritual wirkt schnell und dann lange. Am nächsten Morgen ist die Stimmung in einer Gruppe oft spürbar anders, ohne dass jemand drüber redet.

Was du losgelassen hast, fehlt zuerst. Das darf sich unangenehm anfühlen. Halte den Platz offen und richte ihn auf das aus, was du stattdessen willst. Kein neues Ritual, um das alte zu bestätigen. Lass es arbeiten.

Ein Ritual wird gemacht, wenn es gebraucht wird.

Häufige Fragen.

Was ist ein Feuerritual?
Ein Loslass- oder Transformationsritual an einem offenen Feuer. Meistens schreibst du auf einen Zettel, was gehen darf, und wirfst ihn einzeln ins Feuer. Was es zum Ritual macht, ist die Intention beim Aufschichten, nicht die Flamme.
Was macht ein Feuer schamanisch?
Die Intention, die beim Aufbau reinkommt, mit jedem Scheit. Ein Transformationsfeuer, ein Visionsfeuer, ein Dankfeuer. Ohne die ist es ein Lagerfeuer, und das ist auch schön, aber etwas anderes.
Was mache ich, wenn mein Zettel nicht brennt?
Nichts. Halt ihn noch mal und frag dich: Ist es okay für mich, das jetzt gehen zu lassen? Wenn das Ja kommt, brennt er. Wenn nicht, nimm ihn wieder mit. Das ist keine Niederlage.
Muss ich vorlesen, was auf dem Zettel steht?
Nein. Was auf dem Zettel steht, geht niemanden was an, auch die Leitung nicht. Wer dich vorlesen lässt, macht eine Vorstellung aus deinem Ritual.
Was kommt nach dem Loslassen?
Platz. Und der füllt sich von selbst, wenn du nicht weisst, womit. Darum gehört das Wunschgefühl vor das Feuer: Wie will ich mich fühlen, wenn ich rauskomme?
Kann ich ein Feuerritual allein machen?
Ja, wenn du ein Feuer machen darfst und kannst. Der Kreis fehlt dann, und der trägt einiges. Aber der Moment mit dem Zettel in der Hand ist derselbe.
Wie oft kann man das machen?
Wenn es gebraucht wird. Wer jedes Wochenende Zettel verbrennt, lässt nichts los. Er verbrennt Papier.

Wer das schreibt.

Andy Dittrich
Andy Dittrich

Rund hundert Workshops bei verschiedenen Lehrern, viele Jahre als Schüler bei zwei indigenen Schamanen in Nordamerika und in der Mongolei und bei einem Lehrer in der marokkanischen Wüste. Rund zweitausend Menschen hat er durch Rituale begleitet, sicher rein und sicher wieder raus.

Hier steht nur, was er selber von innen kennt. Was er nicht gemacht hat, steht hier nicht.

Meine Absicht mit diesen Seiten: Ich geb dir Wissen, damit du den Unterschied selber findest. Zwischen schamanischem Bullshit und einem besonderen Erlebnis.

Bevor du hingehst

Rituale wirken.Die Frage ist, in welche Richtung.

In der Begleitung übst du sechs Monate lang genau das: wissen, wo du bist, sehen, was da ist, und die eigene Richtung halten. Auch dann, wenn im Raum jemand anderes die Trommel hat.

Die Begleitung ansehen