Du bekommst ein Thema serviert.Was Pflanzenrituale von einer schamanischen Traumreise unterscheidet, und was du vorher klären musst.

Ayahuasca, Ayahuasca mit Tabak, Pilzreisen. Es werden immer mehr, und die Formen immer verschiedener. Keine Anleitung, keine Empfehlung. Aber ein Unterschied, den dir kaum jemand sagt.

Von Andy DittrichStand 17. September 20269 Minuten

Auf einen Blick
10bis30
Teilnehmendein der Schweiz unter Ausschluss der Öffentlichkeit
4bis6h
pro Zeremonieoft von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Retreats 2 bis 7 Tage.
EUR300bis500
pro NachtRetreats EUR 1'500 bis 4'000

Heilritual in der Herkunft. In der Schweiz nicht legal (DMT, Psilocybin). MAO-Hemmer, Wechselwirkungen.

Teilnehmende10 bis 30
Dauer4 bis 6 Stunden, Retreats 2 bis 7 Tage
AusrichtungHeilritual in der Herkunft
RechtIn der Schweiz nicht legal

Kurz gesagt.

Kurz gesagt

Bei einem Pflanzenritual bekommst du ein Thema serviert. Die Intention, mit der du reingehst, und das, was du bekommst, sind zwei verschiedene Dinge.

Bei einer schamanischen Traumreise, nur mit Trommel und Klang, gehst du mit einer Intention rein und kannst sie durch das ganze Ritual halten. Das ist der grösste Unterschied.

Eine Nacht, von Anfang bis Ende.

Von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Der grösste Teil der Nacht ist nicht die Wirkung, sondern das, was davor und danach kommt. Wer nur die Mitte anbietet, verkauft dir ein Thema, das du nicht ausgesucht hast.

  • Die Vorbereitung: Tage vorher, Diät, keine Medikamente
  • Das Setting: Kreis, Leitung, wer daneben sitzt
  • Die Einnahme: bitter, dann warten
  • Die Wirkung: 4 bis 6 Stunden, du bekommst ein Thema serviert
  • Die Rückkehr: bis zum Sonnenaufgang, und die Tage danach
Die VorbereitungTage vorher, Diät,keine MedikamenteDas SettingKreis, Leitung,wer daneben sitztDie Einnahmebitter,dann wartenDie Wirkung4 bis 6 Stunden,du bekommst ein Thema serviertDie Rückkehrbis zum Sonnenaufgang,und die Tage danachSonnenuntergangSonnenaufgang

Erbsenmilch im Cappuccino, und keine Intention.

Auf einem Festival kannst du beobachten, wie sorgfältig Menschen ihren Kaffee bestellen. Erbsenmilch, Mandelmilch, Hafer, dazu die Frage, ob der Sirup wirklich ohne Zucker ist. Die Auswahl ist heute gigantisch, und die Mühe, die sich Menschen dabei geben, ist echt.

Das ist keine Kritik. So ist das System Mensch, und es zaubert mir eher ein Lächeln ins Gesicht.

Auffällig wird es erst daneben. Dieselben Menschen stehen zwei Stunden später vor einem Ritual, das tiefer in sie hineingeht als jede Milch, und haben sich null Komma null Gedanken darüber gemacht, mit welcher Intention sie hineingehen. Sie gehen hin und konsumieren.

Und genau da setzt es an.

Beim Kaffee fragen alle nach. Vor dem Ritual fast niemand.

Was das genau ist.

Pflanzenrituale sind Zeremonien, in denen eine psychoaktive Pflanze oder ein Pilz eingenommen wird. Am häufigsten Ayahuasca, oft mit Tabak, oder Pilze. Es gibt sie inzwischen in unglaublich vielen Formen, von der traditionellen Zeremonie bis zum Retreat für Reisende, und es werden jedes Jahr mehr.

Ich hab verschiedene dieser Reisen gemacht. Aus Neugier, ehrlich gesagt, weil ich den Unterschied zu den cleanen schamanischen Traumreisen verstehen wollte, die nur mit Trommel und Klang arbeiten. Und der Hauptunterschied ist für mich dieser: Bei den Pflanzenritualen bekomme ich ein Thema serviert. Das heisst, die Intention, mit der ich ins Ritual reingegangen bin, und das, was ich bekommen habe, waren zwei verschiedene Dinge.

Bei einer Trommelreise geh ich mit einer Intention rein und kann diese Intention durch das ganze Ritual halten. Für mich ist das der riesengrosse Unterschied. Beides kann wertvoll sein. Du solltest nur wissen, welches von beidem du buchst. Und ob die Menschen dort dich sicher rein und sicher wieder rausbringen können.

Du bekommst ein Thema serviert.

Wie es abläuft.

Die Formen sind unterschiedlich, der Ablauf ist fast überall gleich. Wenn du weisst, was kommt, kannst du dich um das Wesentliche kümmern.

01

Die Vorbereitung

Meistens eine Diät über Tage. Kein Alkohol, bestimmte Lebensmittel nicht, oft ein Gespräch vorher. Wie ernst das genommen wird, sagt dir viel über den Anbieter.

02

Das Setting

Ein Raum oder eine Hütte, Matten, Eimer, gedämpftes Licht. Die Zeremonie dauert meistens eine ganze Nacht. Oft mehrere hintereinander.

03

Die Einnahme

Einzeln, nacheinander. Dann kommt eine Wartezeit, in der noch nichts passiert. Für viele ist das der unruhigste Teil.

04

Die Wirkung

Sie kommt in Wellen, oft mit dem Körper: Übelkeit, Erbrechen. Was dabei kommt, bestimmst nicht du. Das Thema wird dir serviert.

05

Die Rückkehr

Gegen Morgen klingt es ab. Ob jemand da ist, der merkt, wie es dir geht, entscheidet sich jetzt. Nicht in der Broschüre.

Beim Kaffee fragen alle nach. Vor dem Ritual fast niemand.

Worüber du dir im Klaren sein musst.

Serviert bekommen ist nicht dasselbe wie führen.
Ich bin selbst auf verschiedene dieser Reisen gegangen. Jedes Mal dasselbe: Was ich mitnehmen wollte und was ich bekommen habe, waren zwei verschiedene Dinge. Bei einer Trommelreise halte ich meine Linie vom Anfang bis zum Ende.
Die erste Frage ist nicht, welche Pflanze.
Die erste Frage ist: Was erhoffst du dir von dieser Reise? Was ist deine Intention? Wer darauf keine Antwort hat, sucht meistens ein Erlebnis. Und Erlebnisse kriegst du auch beim Bungeespringen, mit weniger Nachwirkung.
Heilritual oder Visionsritual?
Zwei verschiedene Dinge, und fast niemand unterscheidet das. Ein Heilritual arbeitet an etwas, das da ist. Ein Visionsritual sucht eine Richtung, die noch nicht da ist. Wer das nicht vorher entscheidet, überlässt es dem Abend.
Sicher rein und sicher wieder raus.
Das ist die eigentliche Aufgabe der Menschen, die so was leiten. Ich hab im Umfeld oft genug gesehen, dass es nicht so war. Es gibt Zustände, in die Menschen dabei fallen, wo sie sich nicht mehr bewegen können. Wer damit nicht umgehen kann, sollte kein Ritual leiten.
Der Preis wird oft danach bezahlt.
Eine Nacht kann viel aufmachen, und danach steht jemand allein damit da. Frag vorher, wer in den Tagen danach erreichbar ist. Wenn niemand, ist das eine Antwort.

Fragen vor deinem ersten Pflanzenritual.

Drei an die Person, die leitet, eine an dich. Wer eine ruhige Frage als Angriff versteht, hat die erste Antwort schon gegeben.

Frag nachVor deinem ersten Pflanzenritual
  • «Wie bringt ihr Menschen sicher wieder zurück?»
  • «Ist das ein Heilritual oder ein Visionsritual?»
  • «Wer ist in den Tagen danach für mich erreichbar?»
Und eine an dichWas erhoffe ich mir von dieser Reise?

Ein Satz ist eine Antwort. Zehn Minuten sind keine.

«Wie bringt ihr Menschen sicher wieder zurück?»
Wer Handwerk hat, kann es beschreiben. Wer «die Pflanze macht das» sagt, hat keins.
«Ist das ein Heilritual oder ein Visionsritual?»
Zwei verschiedene Dinge. Wer den Unterschied nicht kennt, kennt sein eigenes Ritual nicht.
«Wer ist in den Tagen danach für mich erreichbar?»
Ein Name und eine Nummer. Oder niemand, und dann weisst du es.
«Was erhoffe ich mir von dieser Reise?»
Die an dich. Vor allem anderen. Wenn die Antwort «ein Erlebnis» ist, ist Bungeespringen billiger.

Die fünf Fragen, die für jede Leitung gelten, stehen auf einer eigenen Seite: Schau genau hin. Frag nach.

Recht und Gesundheit

In der Schweiz und in den meisten europäischen Ländern fallen DMT, das in Ayahuasca drin ist, und Psilocybin unter das Betäubungsmittelgesetz. Zeremonien sind hier nicht legal, egal wie sie heissen. Medizinisch ist die wichtigste Gefahr die Wechselwirkung: Ayahuasca enthält MAO-Hemmer, und die können zusammen mit vielen Antidepressiva, besonders SSRI, zu einem lebensgefährlichen Serotonin-Syndrom führen. Bei Herzerkrankungen und bei Psychose oder Bipolarer Störung in der eigenen oder familiären Vorgeschichte: nicht. Diese Seite nennt keine Dosierungen, keine Bezugsquellen und keine Anbieter.

Und danach?

Was in einer Nacht aufgeht, braucht Wochen. Die Zeit danach heisst Integration, und das ist der Teil, den die meisten unterschätzen. Sprich mit jemandem, der zuhört, ohne zu deuten. Schreib auf, was du gesehen hast, nicht, was es bedeutet.

Und buch nicht die nächste Zeremonie, um die letzte zu verstehen. Ein Ritual macht man, wenn es gebraucht wird. Danach lässt du es arbeiten.

Ein Ritual wird gemacht, wenn es gebraucht wird.

Häufige Fragen.

Was ist ein Pflanzenritual?
Eine Zeremonie, in der eine psychoaktive Pflanze oder ein Pilz eingenommen wird, meistens Ayahuasca oder Psilocybin. Eine Nacht, oft mehrere. Du bekommst ein Thema serviert, du wählst es nicht.
Was ist der Unterschied zu einer schamanischen Traumreise?
Bei der Traumreise, nur mit Trommel und Klang, gehst du mit einer Intention rein und hältst sie durch das ganze Ritual. Beim Pflanzenritual bestimmt die Pflanze das Thema. Ich hab beides gemacht, und das ist der riesengrosse Unterschied.
Ist Ayahuasca in der Schweiz legal?
Nein. DMT fällt unter das Betäubungsmittelgesetz, Psilocybin auch. Zeremonien sind hier nicht legal, egal unter welchem Namen sie angeboten werden.
Welche Medikamente vertragen sich nicht mit Ayahuasca?
Vor allem Antidepressiva, besonders SSRI. Ayahuasca enthält MAO-Hemmer, zusammen kann das ein lebensgefährliches Serotonin-Syndrom geben. Bei Herzerkrankungen, Psychose oder Bipolarer Störung in der Vorgeschichte: nicht.
Was frage ich vor einem Pflanzenritual?
Wie bringt ihr Menschen sicher zurück? Ist das ein Heilritual oder ein Visionsritual? Wer ist in den Tagen danach erreichbar? Und an dich: Was erhoffe ich mir von dieser Reise?
Was ist der deanimierte Zustand?
Ein Zustand, in dem sich der Körper nicht mehr bewegen lässt, während du wach bist. Kommt bei Pflanzenritualen vor. Wer sich reinentspannen kann, für den ist er heilsam. Wer sich wehrt, erlebt Panik. Die Leitung darf dich dann nicht anfassen.
Wie lange dauert die Integration?
Wochen. Was in einer Nacht aufgeht, braucht so lange, bis es einen Platz hat. Wer die nächste Zeremonie bucht, um die letzte zu verstehen, hat noch nicht angefangen zu integrieren.

Wer das schreibt.

Andy Dittrich
Andy Dittrich

Rund hundert Workshops bei verschiedenen Lehrern besucht, zwei Breathwork-Ausbildungen, viele Jahre als Schüler bei indigenen Schamanen in Nordamerika und in der Mongolei und bei einem Lehrer in der marokkanischen Wüste. Rund zweitausend Menschen hat er durch Rituale begleitet, sicher hinein und sicher wieder heraus.

Hier steht nur, was er von innen kennt.

Meine Absicht mit diesen Seiten: Ich geb dir Wissen, damit du den Unterschied selber findest. Zwischen schamanischem Bullshit und einem besonderen Erlebnis.

Bevor du hingehst

Es ist mir nicht wichtig,wo du buchst.

Ob du einen Workshop bei mir buchst oder bei jemand anderem, ist mir ehrlich gesagt nicht wahnsinnig wichtig. Ich möchte vor allem, dass es dir gut geht. Und das geht nur, wenn du zwei Dinge für dich herausfindest: dass du die Totalität deiner Existenz entdeckst, und dass du dir klar bist, was dieses Ritual sein soll.

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