Behalte das Bild.Gib die Deutung zurück. Was bei einer schamanischen Trommelreise wirklich geschieht.

Zwölf Leute liegen auf dem Boden, einer trommelt, und danach erzählt jede, wen sie getroffen hat. Genau da geht es schief. Nicht beim Trommeln. Beim Deuten.

Von Andy DittrichStand 17. September 20267 Minuten

Auf einen Blick
6bis20
Teilnehmendeliegend, Augen abgedeckt
90min
der Abenddie Reise selbst 15 bis 20 Minuten
CHF30bis80
pro AbendRichtwert

Visionsritual. Drinnen, liegend, ganzjährig. Der schnellere Schlag ruft zurück.

Teilnehmende6 bis 20
Dauer90 Minuten, die Reise 15 bis 20
AusrichtungVisionsritual
KostenCHF 30 bis 80 pro Abend

Kurz gesagt.

Definition

Eine Trommelreise ist eine geführte Übung. Ein gleichmässiger Trommelschlag hilft dir, dein Gewahrsein bewusst zu bewegen. Du liegst, deckst die Augen ab, stellst dir einen Eingang vor: eine Höhle, einen Baum, eine Quelle.

Die Trommel bringt dich hin. Ein schnellerer Schlag holt dich zurück. Was du dabei siehst, gehört dir. Und die Deutung auch.

Der Schlag über die Zeit.

Die Trommel macht die Reise, nicht die Leitung. Gleichmässig, etwa vier Schläge pro Sekunde, fünfzehn bis zwanzig Minuten. Dann wird der Schlag schneller. Das ist der Rückruf, und du kommst, ob du fertig bist oder nicht.

  • Die Erklärung: was gilt, wie du zurückkommst
  • Die Reise: 15 bis 20 Minuten, gleichmässig
  • Der Rückruf: der schnellere Schlag holt dich zurück
  • Die Runde: das Bild bleibt deins
Die Erklärungwas gilt, wie duzurückkommstDie Reise15 bis 20 Minuten, gleichmässig,etwa vier Schläge pro SekundeDer Rückrufder schnellere Schlagholt dich zurückAugen abgedeckt, liegendDie Runde: das Bild bleibt deins

Was eine Trommelreise ist.

Die Trommelreise ist der häufigste Einstieg in schamanisches Arbeiten. Fast jeder fängt damit an, ich auch. Und es ist gleichzeitig die Übung, bei der am meisten schiefgeht, und zwar nicht während der Reise, sondern danach.

Der Ablauf ist fast überall gleich. Du legst dich hin, deckst die Augen ab, stellst dir einen Eingang vor. Die Trommel schlägt gleichmässig, so vier bis sieben Schläge pro Sekunde, und nach einer Minute hörst du auf, sie zu zählen. Dann bist du unterwegs. Zehn bis zwanzig Minuten. Manche sehen Landschaften und Tiere, manche ein einzelnes Bild, manche gar nichts. Dann wird der Schlag schnell, das ist der Rückruf, und du kommst zurück.

Und dann kommt die Runde. Jede erzählt, was sie gesehen hat. Und hier entscheidet sich ehrlich gesagt alles. Weil jetzt fängt einer an zu deuten. Dein Bär bedeutet das, dein Nichts-Sehen bedeutet jenes. Das ist der Moment, wo du aufpassen musst. Was du gesehen hast, gehört dir. Die Deutung auch.

Behalte das Bild. Gib die Deutung zurück.

Wie es abläuft.

Die Formen sind unterschiedlich, der Ablauf ist fast überall gleich. Wenn du weisst, was kommt, kannst du dich um das Wesentliche kümmern.

01

Die Erklärung

Kurz und einmal. Hinlegen, Augen zu, Eingang vorstellen, reingehen. Nichts erwarten. Was kommt, kommt. Wer länger als fünf Minuten erklärt, redet dir die Reise vor.

02

Der Schlag

Gleichmässig. Nicht schnell, nicht langsam. Nach einer Minute zählst du nicht mehr, und das ist der Moment, wo es losgeht.

03

Die Reise

Zehn bis zwanzig Minuten. Landschaften, Tiere, ein Bild, oder nichts. Alles davon ist eine Reise. Ich hab bei meiner ersten auch nicht viel gesehen.

04

Der Rückruf

Der Schlag wird schnell, wie ein Rufen. Von aussen siehst du, wer wirklich weg war: Die Füsse kommen zurück, bevor der Rest kommt.

05

Die Runde

Jede erzählt. Und hier wird es heikel. Weil jetzt Deutungen verteilt werden, die niemand bestellt hat.

Behalte das Bild. Gib die Deutung zurück.

Worüber du dir im Klaren sein musst.

Dein Kopf ist kein Teilnehmer.
Wenn du während der Reise überlegst, ob du richtig atmest und ob der Eingang wirklich ein Baum sein muss, bleibst du an der Trommel hängen. Das ist kein Versagen. Dein Kopf reist halt noch mit. Beim dritten Mal ist er ruhiger.
Nichts sehen ist eine Antwort.
Es gibt keine Pflicht, Bilder zu haben. Wer nichts sieht, hat nicht schlechter geübt. Und wer dann eine Erklärung serviert bekommt, was das über ihn aussagt, kriegt eine fremde Wirklichkeit geschenkt. Die musst du nicht nehmen.
Die Deutung gehört dir.
Wenn dir jemand sagt, was dein Bär bedeutet, legt er seine Wahrnehmung in deine Wirklichkeit. Du musst nicht diskutieren. Du musst es einfach nicht mitnehmen. Behalte das Bild, gib die Deutung zurück.
Was du aufschreibst, wird wahr.
Ein Satz, den du dir wörtlich notierst, weil er von der Leitung kam, liest sich nach drei Wochen wie ein Zeugnis. Schreib auf, was du gesehen hast. Nicht, was jemand daraus gemacht hat.

Fragen vor deiner ersten Trommelreise.

Drei an die Person, die leitet, eine an dich. Ein Satz ist eine Antwort, zehn Minuten sind keine.

Frag nachVor deiner ersten Trommelreise
  • «Deutest du, was wir sehen?»
  • «Was passiert, wenn ich nichts sehe?»
  • «Wie viele Reisen hast du selbst gemacht, bevor du die erste getrommelt hast?»
Und eine an dichWie will ich mich fühlen, wenn ich rauskomme?

Ein Satz ist eine Antwort. Zehn Minuten sind keine.

«Deutest du, was wir sehen?»
Die ehrlichste Antwort ist nein. Wer «ich helfe euch beim Verstehen» sagt, deutet.
«Was passiert, wenn ich nichts sehe?»
Eine gute Antwort macht daraus kein Problem. Und kein Thema für dich.
«Wie viele Reisen hast du selbst gemacht, bevor du die erste getrommelt hast?»
Eine Zahl. «Viele» ist keine.
«Wie will ich mich fühlen, wenn ich rauskomme?»
Die an dich. Ein Wort, fünf Sekunden, Finger auf die Stelle. Das nimmst du mit rein, das ist deine Intention.

Die fünf Fragen, die für jede Leitung gelten, stehen auf einer eigenen Seite: Schau genau hin. Frag nach.

Und danach?

Schreib auf, was du gesehen hast. So genau wie möglich, und lass die Bedeutung erst mal offen. Bilder aus einer Reise arbeiten weiter, oft tagelang, und ergeben manchmal erst nach Wochen einen Sinn. Was du sofort erklärst, hörst du auf zu sehen.

Und wenn dir jemand in der Runde eine Deutung gegeben hat: Prüf in Ruhe, ob sie deine ist. Sie muss es nicht sein. Meistens ist sie es nicht.

Ein Ritual wird gemacht, wenn es gebraucht wird.

Häufige Fragen.

Was ist eine Trommelreise?
Eine geführte Übung, bei der ein gleichmässiger Trommelschlag dir hilft, dein Gewahrsein bewusst zu bewegen. Du liegst, deckst die Augen ab, stellst dir einen Eingang vor, und ein schnellerer Schlag holt dich zurück. Zehn bis zwanzig Minuten.
Warum sehe ich bei der Trommelreise nichts?
Weil dein Kopf mitreist oder die Tür zuhält. Beides ist normal, und beides sagt nichts über dich aus. Wer nichts sieht und es zugibt, ist oft der ehrlichste Mensch im Raum.
Ist eine Trommelreise dasselbe wie Meditation?
Nein. Meditation beruhigt und sammelt. Die Trommelreise bewegt dein Gewahrsein an einen Ort. Bei der Meditation bleibst du. Bei der Reise gehst du.
Was ist ein Krafttier?
Ein Bild, das dir auf einer Reise begegnet und das für viele Menschen über Jahre eine Bedeutung behält. Ob es deins ist, fragst du es selber. Ein Buch mit Register kann dir das nicht sagen.
Brauche ich eine eigene Trommel?
Nein. Für den Anfang reicht eine Aufnahme oder eine Gruppe. Eine eigene Trommel ist schön. Sie ersetzt keine Übung.
Ist eine Trommelreise gefährlich?
Für die meisten Menschen nicht, sie ist körperlich harmlos. Vorsicht bei Epilepsie, weil rhythmische Reize auslösen können, und in einer akuten Krise. Im Zweifel redest du vorher mit deiner Ärztin.
Wo lerne ich Trommelreisen?
An vielen Orten, und die meisten sind okay für den Anfang. Der Unterschied liegt in der Runde danach: ob jemand deutet oder nicht. Am Wochenende in Sursee gehst du mit einer Intention rein und lernst, sie durch die ganze Reise zu halten.

Wer das schreibt.

Andy Dittrich
Andy Dittrich

Rund hundert Workshops bei verschiedenen Lehrern, viele Jahre als Schüler bei zwei indigenen Schamanen in Nordamerika und in der Mongolei und bei einem Lehrer in der marokkanischen Wüste. Rund zweitausend Menschen hat er durch Rituale begleitet, sicher rein und sicher wieder raus.

Hier steht nur, was er selber von innen kennt. Was er nicht gemacht hat, steht hier nicht.

Meine Absicht mit diesen Seiten: Ich geb dir Wissen, damit du den Unterschied selber findest. Zwischen schamanischem Bullshit und einem besonderen Erlebnis.

Bevor du hingehst

Rituale wirken.Die Frage ist, in welche Richtung.

In der Begleitung übst du sechs Monate lang genau das: wissen, wo du bist, sehen, was da ist, und die eigene Richtung halten. Auch dann, wenn im Raum jemand anderes die Trommel hat.

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